Problematische Chat-App: Nach der Houseparty droht der Datenschutz-Kater

Die Kontaktbeschränkungen im Zuge der Covid-19-Pandemie haben zu viel Kreativität geführt, was das Aufrechterhalten sozialer Bindungen anging. Besonders beliebt: Gruppen-Video-Chats mit Freunden, Sportkameraden oder Verwandten. Eine der populärsten Plattformen dafür ist die App „Houseparty“, allerdings ist als gefährlicher „Datensauger“ in die Kritik geraten.

Bis zu acht Partygäste auf einem Bildschirm, gute Bild- und Tonqualität und äußerst einfache Bedienung machten die App Houseparty zu einer der beliebtesten Chat-Plattformen der Covid-19-Wochen. Nach und nach mehrten sich allerdings Berichte über den allzu nachlässigen Umgang der App mit schützenswerten Daten. Inzwischen haben selbst jüngste User auf seriösere Lösungen umgestellt, um sich mit Freunden zum Online-Stammtisch zusammenzutun.

Dabei ist besonders eine der beliebtesten Funktionen der App Datenschützern ein Dorn im Auge. Wer seine Houseparty nämlich nicht auf „privat“ stellt, gewährt auch den sozialen Freunden der Gäste Zugang zur virtuellen Party. So treffen immer wieder neue Leute aufeinander, die dann unter Umständen von Party zu Party ziehen und stets informiert werden, wenn einer Ihrer Freunde gerade wieder aktiv ist.

So faszinierend die Möglichkeit ist, durch die App unzählige neue Kontakte zu bekommen, so fragwürdig ist gleichzeitig die Datenschutzpraxis. Denn wer die App wie hunderttausende Partyhungrige in den vergangenen Wochen heruntergeladen hat, der sah sich zunächst einem sehr umfangreichen Fragebogen gegenüber.

Eigentlich genügen die Freigabe von Kamera und Mikrofon

Was viele User sofort irritierte, war beispielsweise die Aufforderung, sich über eine gültige Handynummer zu authentifizieren. Insgesamt machten sich die App-Betreiber natürlich das Faktum zunutze, dass viele Downloads unter akutem Zeitdruck erfolgten. Denn vor allem jüngere User wurden augenscheinlich über herkömmliche Kanäle von Freunden dazu aufgefordert, am besten gleich zur Online-Party zu kommen. Es sei lediglich schnell die App zu installieren.

Klar, dass angesichts der bereits tobenden Party dann viele bereitwillig alle Häkchen setzten, ihre Telefonnummer preisgaben und Zugriff auf Smartphone-Inhalte zu gestatteten, um möglichst schnell Party-Zugang zu erhalten. Was sie bei diesem Prozedere allerdings wirklich alles an Datenraub zulassen, bringt selbst sonst eher arglose Teenager zum Grübeln. Denn mit dem Download der App gestatten Sie den amerikanischen App-Betreibern „Life on Air“ das Einsammeln von:

  • Hardwareinformationen zum Smartphone
  • der Google-Advertising-ID des Geräts
  • der Geräte ID
  • Adressen aus dem Telefonbuch
  • Facebook-Elementen auf dem Smartphone
  • Geodaten des Geräts
  • E-Mail-Adresse UND Telefonnummer des Users

Aber beinahe noch gruseliger sind die Einzelheiten, denen der unbedarfte User bei Anerkennung der Nutzungsbedingungen zustimmt. So hat Life on Air das Recht, jede einzelne Houseparty in Gänze aufzuzeichnen.

Nicht nur das ist ein grober Datenschutzverstoß. Die Bedingungen gehen noch weiter: Die Entwickler haben zudem das Recht, alle Bilder, Töne und Inhalte, die während einer Party aufgezeichnet werden, kommerziell zu nutzen, ohne den „Urheber“ um ein Einverständnis zu bitten. Sollte also bei einer Houseparty zufällig eine geniale Start-Up-Idee diskutiert worden sein, hätte Life on Air das Recht, diese Idee nach Lust und Laune zu vermarkten, umzusetzen oder weiterzuverkaufen.

Bleibt also zu hoffen, dass „Houseparty-Gäste“ nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern, wenn sie beim virtuellen Zug um die Häuser auf einer dieser Partys landen.

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Hier bloggt die Redaktion Datenschutz & Datensicherheit des Verlags Mensch und Medien.

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