Cyberkriminalität: Der Ruf nach einem digital resilienten Staat wird lauter
Es passiert inzwischen fast wöchentlich: Eine Kommune steht still, ein Energieversorger verliert die Kontrolle über seine Systeme, oder – wie zuletzt – die Deutsche Bahn kämpft tagelang mit ausgefallenen IT Systemen nach einer Cyberattacke. Die Meldungen wirken wie Déjà-vus, nur dass die Auswirkungen jedes Mal drastischer und teurer werden. Digitale Sabotage, Desinformation, politische Einflussnahme – das alles sind keine Science-Fiction-Inhalte mehr, sondern tägliche Realität.
Genau in dieses Klima fällt eine aktuelle Umfrage des Digital-Branchendienstes Bitkom. Bitkom hat Menschen dazu befragt, wie sie persönlich die Cyber-Bedrohungen einschätzen und was sie sich von staatlicher Seite wünschen. Das Stimmungsbild ist erstaunlich eindeutig. Die Bevölkerung wünscht sich mehr Befugnisse für Sicherheitsbehörden, um solchen Angriffen wirksamer und schneller begegnen zu können.
Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass Deutschland auf hybride Bedrohungen nicht ausreichend vorbereitet ist. Die Angriffe wirken komplexer, schwerer zuzuordnen und weitreichender in ihrer Wirkung. Während Desinformation in Minuten viral geht, brauchen staatliche Stellen oft Tage, um zu reagieren. Gleichzeitig wächst die Angriffsfläche: vernetzte Infrastrukturen, KI gestützte Tools, IoT Geräte, kritische Systeme, die miteinander vernetzt sind, machen es Angreifer einfacher, große Schäden anzurichten. Ein Angriff auf ein Energieunternehmen kann heute Auswirkungen auf Verkehr, Kommunikation oder Gesundheitsversorgung haben. Diese Verwundbarkeit spüren die Menschen – und sie fordern, dass der Staat handlungsfähiger wird.
Mehr Handlungsfähigkeit im klaren rechtlichen Rahmen
Dabei geht es nicht um ein blindes „Mehr an Überwachung“, sondern um gezielte Befugnisse: bessere technische Ausstattung, mehr Personal für digitale Ermittlungen, schnellere Eingriffsmöglichkeiten bei Cyberangriffen und klare gesetzliche Rahmenbedingungen für KI gestützte Attacken. Die Bevölkerung erwartet, dass Sicherheitsbehörden in der Lage sind, moderne Angriffe auch mit modernen Mitteln abzuwehren. Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach rechtsstaatlicher Kontrolle bestehen. Die Menschen wollen Sicherheit, aber nicht um den Preis unbegrenzter staatlicher Macht. Dieses Spannungsfeld zwischen Freiheit und Schutz ist der Kern der aktuellen Debatte.
Neben den staatlichen Institutionen fordern die Bürger auch von den Unternehmen mehr Verantwortung, vor allem, wenn die Unternehmen Teil der kritischen Infrastruktur sind. Die Erwartungshaltung ist eindeutig: Zuverlässige Resilienz ist keine Option mehr, sondern wird als Pflicht verstanden. Die Bevölkerung sieht Unternehmen als Mitverantwortliche für die Stabilität des Landes – und erwartet, dass sie proaktiv handeln, bevor ein Angriff passiert.
In der Bitkom Studie offenbart sich mehr als nur eine Momentaufnahme. Sie markiert einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung. Hybride Angriffe sind nicht länger ein abstraktes Risiko, sondern längst ein allgegenwärtiges Phänomen im Alltag. Die Befragten wünschen sich im Zuge der sich rasant entwickelnden Digitalisierung, dass auch die Sicherheits-Instrumente im selben Tempo und auf höchstem Niveau weiter entwickelt werden.
Quelle: Bitkom Research: Cyberkriminalität | Studie 2025. Studienbericht im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, Befragung von 1.115 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. Bitkom e. V. / Bitkom Research, 2025. Link zum Website: https://www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Cyberkriminalitaet-Studienbericht
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